BLÜHER, Karl Alfred:

Antonin Artaud und das „Nouveau Théâtre“ in Frankreich. –

Tübingen 1991. – Acta romanica, Bd. 3. –

ISBN 3-87808-958-9

 

Im Hinblick auf das Folgende ist womöglich der Hinweis nötig, dass Artaud bei seinem „Théâtre de la Cruauté“ nicht etwa an die Darstellung grausamer Szenen auf der Bühne dachte; vielmehr erträumte er ein „modernes Mythentheater“ im Gegensatz zur damals verbreiteten gesellschaftskritisch oder psychologisch orientierten Dramatik. Unter ‚cruauté‘ verstand er „ein tiefenpsychologisch zu interpretierendes ‚archetypisches‘ psychosomatisches Phänomen, in dem sich die Unerbittlichkeit destruktiver kosmischer Mächte manifestiere: ‚proche parente de la destruction sans laquelle rien ne se crée‘ [nah verwandt der Zerstörung, ohne die es keine Schöpfung gibt] … einer absoluten Determiniertheit der menschlichen Natur“  (BLÜHER, S. 74 ff.)